Der Sperrrock mit Leibchen

Die Grundausstattung an Röcken besteht aus drei Stücken. Dem Oberrock, dem roten Unterrock und dem weißen Unterrock. Um die schweren Röcke zu halten, befindet sich am weißen Unterrock ein weißes geschlossenes Leibchen und am roten Unterrock das bei hemdsärmeliger Tracht sichtbare farbige Leibchen gleichen Schnittes.

Das farbige Leibchen wurde in älteren Zeiten aus brokatähnlichen Stoffen in allen Farben genäht. Später wurde das Leibchen aus geblümtem Samt zum Mieder. Es wurde vorne mit Haken und Ösen geschlossen und bekam einen Schoß, auf den sich der Rockbund legte. Auch heute noch gibt es beide Varianten. Entweder ist das Leibchen wie vorher beschrieben am roten Unterrock oder auch am Oberrock befestigt oder es wird alleine als Mieder getragen.

 

In vielen Trachten stellt der Frauenrock eine Art Standessymbol dar. Die Fälle sind nicht selten, wo der Reichtum des Hauses an der Zahl der Röcke abgelesen werden konnte. Im Schlitzerland waren sie auch Teil des wertbeständigen Besitzes.
Die Zahl der getragenen Röcke jedoch richtet sich nach Jahreszeit und Figur.
Von außen nach innen gesehen trägt man einen Oberrock, einen roten Unterrock, bis zu vier weiße Unterröcke und das Hemd. Der farbige rote Unterrock wird aus Flanell oder Biberstoff angefertigt. Die weißen Unterröcke je nach Jahreszeit aus Flanell (Molton) oder Leinen. Oberrock/ Sperrrock wird nach dem gleichen Verfahren geschnitten und genäht. Der Stoff wird in Bahnen von Rocklänge geschnitten, d.h. bei üblicher Warenbreite von 80 cm in 4 Bahnen. Dazu kommt das „Gerntuch“, das am Saum auch ungefähr 80 cm breit ist, womit der Rock einen Umfang von ca. 4 Metern bekommt.

(Gerntuch ist das von der Schürze verdeckte glatte Stück des Rockes. Es ist am Rockbund aus schmaler, meistens aus dunkelblau gefärbter, starker Leinwand und wird am Saum von einem handbreiten glatten Streifen des Rocktuches begrenzt wird. Der Grund dafür war die Sparsamkeit.)


Nach dem Zusammennähen der Bahnen werden die Zierfalten eingenäht, der Bries (farbiger Rand) in den Rocksaum genäht und der Besatz aufgenäht. Der Besatz besteht aus Samtbändern oder aus Atlasschnüren die mit Nisterbändern, Paillettenbändern und / oder Schnüren umrahmt werden. Mit Hilfe des Besatzes kann man leicht die Altersbestimmung der Sperrröcke vornehmen. Sämtliche Röcke werden mit Haken und Ösen geschlossen.

Und was trug man darunter? Hemd und Unterhose

Das Hemd gleicht in Schnitt und Verarbeitung dem vieler Volkstrachten. In älterer Zeit unserer Tracht hatte es lange Ärmel, die immer hochgeschlagen wurden. Um bei den guten Hemden die Spitzenkante am Ärmelbund nicht zu verdecken, schlägt man die Ärmel in folgender Weise hoch: Der Ärmelbund wird umgestülpt und hochgezogen, bis er ungefähr auf der Hälfte zwischen Schulter und Ellenbeuge liegt. Dann wird der so gedoppelte Ärmel in breiten Umschlägen derart hochgewickelt, dass der letzte Umschlag ungefähr eine Umschlagbreite unter der Spitze, knapp über der Ellenbeuge liegt. In jüngerer Zeit unserer Tracht hat das Hemd kurze Ärmel die mit einer breiten Spitze abschließen. Das Hemd wird aus leichtem weißen Baumwollstoff, Leinen oder Linnen genäht.

Die Unterhosen werden ebenfalls aus weißem leichten Baumwollstoff oder Linnen hergestellt. Die Beinlänge schließt oberhalb des Knies mit einer Spitze ab. Zur älteren Trachtenform wurden keine Unterhosen getragen. Das Hemd reichte dann aber bis oberhalb des Knies und war somit länger als die neuere Form der Hemden.